Neue Serie: Liturgie zum vierten Fastensonntag

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Ungewöhnliche Situationen verlangen ungewöhnliche Schritte.

Keiner von uns hätte je gedacht, dass uns eine Virus-Erkrankung einmal so einschränken würde. Mit 65 Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt, und ich werde dies nicht als einzige sagen. Wenn wir nun aus Klugheitsgründen vorerst keine gemeinsamen Gottesdienste feiern können und dürfen, so wollen wir uns doch wenigstens im Gebet miteinander verbinden.

Wir, das Pastoralteam, werden für die kommende Zeit jede Woche einen geistlichen Impuls zum jeweiligen Sonntagsevangelium auf die Internetseite setzen. So bleiben wir betende Gemeinde und Gemeinschaft. In unserem geistlichen Impuls können Sie zudem auch immer das vollständige Evangelium des Tages lesen.

Aber noch ein Weg ist wichtig: Die tägliche Sorge und tätige Mithilfe für ältere oder gebrechliche Nachbarn (erste Hilfsangebote sind bereits angelaufen, weitere Hilfsangebote auf Pfarreiebene sind bereits in Planung).

Vierter Fastensonntag

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.

In meiner Jugend lernte ich mal den Satz: „Der liebe Gott tut den ganzen Tag nichts anderes als fügen.“ Und dann schaue ich in den Schott und entdecke dieses Evangelium für genau diesen Sonntag. Die Brisanz wird deutlich, wenn man weiß, dass die tiefgläubigen Menschen zur Zeit Jesu durchgängig der Meinung waren, dass Not, Krankheit und Gebrechen die unmittelbaren der eigenen Sünde sind – die Strafe Gottes.

Jesus räumt mit dieser Meinung auf. Weder er noch seine Eltern sündigten, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. (9, 3b) Damit verleiht Jesus dem Blindgeborenen seine eigene Würde, die höchste Würde, die uns zuteil werden kann, die Bestimmung Gottes. Er holt ihn aus der Isolierung und macht ihn uns zur Aufgabe.  Es ist unser Problem, wenn Menschen in Not um uns herum uns stören. Sie sind unsere Aufgabe. Die Pharisäer in unserem heutigen Evangelium fragen Jesus: Wenn ihr blind wäret, hättet ihr keine Sünde, aber ihr sagt: Wir sehen – darum bleibt eure Sünde. Das ist eine Milchmädchenrechnung, die nur Pharisäer aufstellen können.

Was mir in diesen Tagen sehr viel Mut macht, ist die große Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft. Das sind die Angebote der Jugendlichen, für ältere Mitbürger einzukaufen. Auch der Einsatz der Verkäufer- und innen, die Bereitschaft des Klinikpersonals und die mit viel Mut und Phantasie arbeitenden Menschen in Politik und Gesellschaft. Viele gute Beispiele, dass wir doch nicht alle „blind“ sind. Für alle bitte ich um viel Kraft, Nächstenliebe und vor allem Geduld im Bestehen  der auf uns zukommenden Aufgaben.

Fürbittendes Gebet

Geheimnisvoller Gott! Dir ist alles möglich, du bist nicht fern, du bist uns allen nah. Wir bitten dich:

  • Für alle, die blind sind in ihren Herzen, erleuchte sie mit deinem Geist, dass sie bereit werden, dich anzunehmen.
  • Für alle, die blind sind vor dem Leid der anderen, erleuchte sie mit deinem Geist, dass sie sich öffnen für die Nöte ihrer Mitmenschen.
  • Für uns alle, die wir auch manchmal blind sind, erleuchte uns mit deinem Geist, dass wir durch unser alltägliches Leben dich loben und verkünden.

Herr, erhöre unser Gebet – und lass unser Rufen zu dir kommen.

Für das Pastoralteam

Barbara Orth
Gemeindereferentin

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