Krankenhausprojekt und Kirchenverkauf – so geht es weiter in St. Johann Baptist

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Die Pläne für den Neubau des Marienhospitals mit der neuen Kirche am Standort St. Johann Baptist werden konkreter.

Nach den intensiven Überlegungen und Diskussionen der vergangenen Monate wird der Kirchenvorstand – unterstützt vom Pfarrgemeinderat – in den kommenden Wochen mit der Contilia-Gruppe über den konkreten Kaufvertrag verhandeln. Niemand gibt unsere aktuelle Pfarrkirche dabei leichten Herzens aus der Hand. Auf der anderen Seite ist auch niemandem mit einer monatelangen Hängepartie gedient, an deren Ende womöglich das gesamte Krankenhaus-Projekt scheitert – mit Folgen für unsere Pfarrei, für den ganzen Essener Norden und hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unser Ziel ist ein starkes katholisches Krankenhaus mit einer lebendigen katholischen Gemeinde, die ihren Glauben in einem modernen Kirchenraum neu leben kann – nur für dieses Projekt stellen wir unsere Pfarrkirche zur Verfügung. Und mit einem gut durchdachten und dennoch möglichst rasch verhandelten Vertragsabschluss leisten wir unseren Beitrag, dass die Contilia und alle anderen Beteiligten an diesem Projekt möglichst zügig weiterarbeiten können.

Heute informieren wir Sie über den aktuellen Stand der Dinge und die nächsten Schritte und beantworten einige aktuell aufgekommene Fragen.

Was steht jetzt an? Ab dem 22. Januar wird der Kirchenvorstand in mehreren Sitzungen den von der Contilia vorgelegten Kaufvertrag beraten und verhandeln. Auch der Pfarrgemeinderat wird in die Beratungen einbezogen.

Der Kirchenvorstand hat die Pfarrei-Interessen im Blick. In den Vertragsverhandlungen konzentriert sich der Kirchenvorstand vor allem auf die Größe und Gestaltung der künftigen Kirche, auf die Fragen zu einem Büro und weiteren Gemeinderäumen im Krankenhaus sowie auf die Unterstützung durch die Contilia beim Umbau des Jugendheims. Der Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro, der für die künftige seelsorgliche Arbeit im Vermögen der Pfarrei verbleibt, ist bereits zugesagt.

Wir bauen eine neue Kirche. Wenn die bisherige St.-Johann-Baptist-Kirche einem neuen, größeren Marienhospital Platz macht, bauen wir in diesem Krankenhaus eine neue Kirche – das hat es im Bistum Essen seit Jahrzehnten nicht gegeben!

Wir bleiben am Standort St. Johann Baptist präsent. Die neue Kirche wird zwar kleiner als die bisherige, aber sie wird zeitgemäß nach den Bedürfnissen der Pfarrei eingerichtet. Für große Gottesdienste stehen andere Kirchen der Pfarrei sowie die Alte Kirche der evangelischen Gemeinde zur Verfügung.

Wir verkaufen, weil wir den ganzen Stadtteil und die ganze Pfarrei im Blick haben. Das neue Krankenhaus setzt einmalige Akzente in der Stadtentwicklung und der Gesundheitsversorgung für Altenessen und im gesamten Essener Norden, die sonst nicht möglich wären und von denen auch die Pfarrei mit ihren insgesamt vier Kirchen-Standorten profitiert.

Auch das Krankenhaus ist Kirche. Das Marienhospital ist einst aus der Kirchengemeinde heraus gegründet worden. Die caritative Sorge um Kranke ist ein Grundpfeiler des christlichen Glaubens. Wir sehen in dem Klinikneubau mit der neuen Kirche eine große Chance für ein intensives Miteinander von Krankenhaus und Pfarrei.

Die neue Kirche wird der sicherste Standort in der ganzen Pfarrei. Wir schaffen jetzt so durchdacht wie nötig und so rasch wie möglich die vertragliche Sicherheit, die alle Beteiligten bei diesem Großprojekt brauchen. Durch einen zügigen Vertragsabschluss gefährden wir weder die aktuell bestehende finanzielle noch die politische Investitionsbereitschaft für den Essener Norden. Zudem sichern wir einen unserer Kirchenstandorte so langfristig, wie dies bei der Formulierung des Votums im Pfarreientwicklungsprozess nicht denkbar war.

Weitere aktuelle Fragen und Antworten

Warum redet die Pfarrei nicht mit der Initiative „Rettet St. Johann“?
Die Pfarrei mit ihren Gremien (Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Pastoralteam) möchte sehr gerne mit der Initiative sprechen. Nachdem die Initiative die Pfarrversammlung am 12. Dezember boykottiert hatte, war für Dienstag, 8. Januar, ein erster gemeinsamer Gesprächstermin geplant. Das eigentliche inhaltliche Gespräch wurde jedoch von der Initiative abgesagt, weil die Vertreter der Initiative ausschließlich mit den Mitgliedern des Kirchenvorstands sprechen wollten. Wir legen jedoch Wert darauf, gemeinsam mit Vertretern von Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Pastoralteam über die Zukunft am Standort St. Johann Baptist zu diskutierten. Die Initiative berät nun, ob sie sich darauf einlässt. Die Pfarrei würde ein solches Gespräch sehr begrüßen.

Wie war der bisherige zeitliche Ablauf, warum wurde so spät über das Krankenhaus-Projekt informiert?
Für den Kirchenvorstand war schon längere Zeit klar, dass die Contilia im Zuge der Übernahme der Katholischen Kliniken Essen (KKE) ein neues Krankenhaus bauen möchte. Allerdings war bis zum Sommer ein anderer Standort im Blick. Erst dann hat die Contilia den Kirchenvorstand gefragt, ob dieser die Pfarrkirche zugunsten eines großen Krankenhausneubaus auf dem Gelände von Marienhospital und Kirche verkaufen würde. Konkret konnte sich der Kirchenvorstand erstmals am 30. August 2018 mit dem Thema befassen. Nach intensiven Beratungen, dem Abwägen vieler Alternativen und der Zusage des Baus einer Kirche im Krankenhaus ist dann im November die grundsätzliche Verkaufsentscheidung gefallen.

Wie geht es mit den Einsprüchen gegen die Kirchenvorstandswahl und den Verkaufsbeschluss weiter?
Die Einsprüche werden in der nächsten Kirchenvorstandssitzung am 22. Januar beraten und die Einspruchsführer dann persönlich über das Ergebnis informiert. Dies ist der Weg des entsprechenden kirchenrechtlichen Verfahrens.

Was hat es mit der Schenkungsurkunde für die Kirche auf sich?
Nach schwersten Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die St.-Johann-Baptist-Kirche in der Nachkriegszeit völlig neu wieder aufgebaut. Die erste Kirche ging jedoch im 19. Jahrhundert auf eine Schenkung von Johann Lindemann zurück. Dieser hatte zunächst die Absicht, seine Kirche der Gemeinde als „unveräußerliches Eigentum“ zu übergeben. Diese Formulierung ist aber weder in den Entwürfen noch in der endgültigen, rechtskräftig fixierten Fassung der Schenkungsurkunde vom 19.07.1862 enthalten. Ob aus der Tatsache, dass womöglich bis heute Lindemanns Grab in der Kirche vorhanden ist, Besonderheiten zu beachten sind, prüft derzeit die Abteilung Kirchenrecht im Bischöflichen Generalvikariat. Unabhängig von der rechtlichen Einschätzung wird bei der Schließung der Kirche natürlich untersucht, ob das Grab noch vorhanden ist. Gegebenenfalls wird es verlegt.

Können wir nicht ein modernes Krankenhaus bekommen und unsere Kirche behalten?
Laut der Contilia ist der Klinik-Neubau am Standort des Marienhospitals nur unter Einbeziehung des Kirchengrundstücks möglich. Für eine bestmögliche patientenorientierte Versorgung sollen die sogenannten nichtinvasiven Bereiche (Zentrale Notaufnahme, Ambulanzen, Radiologie, Ultraschall, EKG, Labor, Aufnahmestation, Wartebereich, Logistikflächen …) im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss der neuen Klinik zusammengefasst werden. Dies definiert die benötigte Grundfläche der Klinik von 28.500 Quadratmeter, die an diesem Standort nur inklusive des Kirchengrundstücks erzielt werden kann. Darauf sollen 725 Betten in vier Geschossen untergebracht werden.

Alle Informationen zum Herunterladen:
Aktuelle Informationen zum Krankenhausprojekt und zum Kirchenverkauf

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1 Kommentar

  1. Den Leserinnen und Lesern dieses Artikels empfehle ich, auch das unter www.rettet-st-johann.de am 19.01.2019 veröffentlichte und am 20.01.2019 an der Kirche St. Johann verteilte “Begleitschreiben des Vereins „Rettet St. Johann“ zum Informationsblatt des KV und des PGR” zu lesen und sich eine eigene, unabhängige Meinung zu bilden.

    Markus Menden