Das Krankenhausprojekt in St. Johann Baptist – unsere Verhandlungsergebnisse

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +

Im Herbst haben wir uns im Kirchenvorstand mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, das Grundstück unserer Pfarrkirche zusammen mit Pfarrzentrum und Pfarrhaus an die Contilia zu verkaufen, damit diese dort – und auf dem Gelände des Marienhospitals – ein neues, modernes Krankenhaus für den Essener Norden bauen kann. Zugestimmt haben wir seinerzeit nur, weil Contilia von vornherein neben dem Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro auch zugesichert hat, in dem Krankenhaus eine neue Kirche für die Gemeinde St. Johann Baptist zu bauen.

Seit Mitte März haben nun Mitglieder des Kirchenvorstands mit Vertretern der Contilia in vier Verhandlungsrunden die Details des Kaufvertrags ausgehandelt, der in den kommenden Wochen unterzeichnet werden soll. Verglichen mit dem ersten, am 5. Februar im Pfarrgemeinderat vorgestellten Vertragsentwurf konnten wir in diesen Verhandlungen deutliche Verbesserungen für unsere Pfarrei erzielen, wie der folgende Überblick zeigt. Nach dem Verkauf der Kirche wird ein gemeinsamer Ausschuss mit Vertretern unserer Pfarrei und der Contilia die konkrete Gestaltung der Gemeinderäume im neuen Krankenhaus planen.

  • Die Kirche im Krankenhaus wird nun mit allen Nebenräumen insgesamt rund 460 Quadratmeter (qm) groß werden und kann so bis zu 400 Gläubigen Platz bieten – ursprünglich waren für die Gemeinde lediglich 210 qm vorgesehen, wobei der Kirchraum mit 150 qm nur etwa 100 Gläubigen Platz geboten hätte. Nun sind in der Gesamtfläche neben etwa 250 qm Kirchraum auch ein Saal (80 qm) und eine Empore (70 qm) im neu geplanten zweiten Obergeschoss vorgesehen. Bei den regelmäßigen Sonntagsmessen wird die Kirche im Erdgeschoss damit rund 200 Gläubigen Platz bieten – bei Bedarf lässt sich dieses Platzangebot jedoch durch den angeschlossenen Saal und die Empore in etwa verdoppeln.
  • Der Saal neben der Kirche ist nun als eigener Saal zur ausschließlichen Nutzung für die Pfarrei konzipiert. Zunächst hatte Contilia lediglich geplant, der Pfarrei Konferenzräume des Krankenhauses – zum Beispiel in Abendstunden – zur Mitnutzung zu überlassen. Wie die Fläche von rund 80 qm im Detail aufgeteilt wird, plant der gemeinsame Gestaltungsausschuss.
  • Durch dieses Verhandlungsergebnis ist der Wert des Verkaufs von Kirchengrundstück und Immobilien für die Pfarrei deutlich gestiegen: Unter dem Strich erhält unsere Pfarrei nun für den Verkauf der Pfarrkirche einen Gegenwert von insgesamt 2,6 Millionen Euro, da Contilia zusätzlich zum Kaufpreis von 1,1 Millionen Euro in die neue Kirche mit Empore, Saal und weiteren Räumen rund 1,5 Millionen Euro investieren wird. Zunächst war Contilia nur bereit, zusätzlich zum Kaufpreis weitere 850.000 Euro für die neue Kirche und Umbauten im Jugendheim zu zahlen.
  • Im Gegenzug für die nun deutlich größer geplante Kirche übernimmt die Pfarrei den Umbau des Jugendheims komplett alleine – zunächst war von einem Contilia-Zuschuss über 50.000 Euro die Rede gewesen. Nun gibt es eine klare Zuordnung: Für die neue Kirche ist Contilia verantwortlich, für den Umbau des Jugendheims die Pfarrei. Für diesen Umbau planen wir im Kirchenvorstand nun mit Investitionen in Höhe von 400.000 Euro – finanziert aus dem Verkaufserlös unserer Pfarrkirche. Dabei geht es nicht nur um Sanierungen, sondern um eine echte Investitionen in das Gemeindeleben vor Ort. Unter anderem planen wir einen Anbau am Zugang zum Saal mit Küche, behindertengerechter Toilette, Windfang und einem Stuhllager, so dass bestehende Räume neu genutzt werden können. Zudem soll es einen Außenzugang zu den Kellerräumen und ein Materiallager auf dem Grundstück geben. Ein neues Innenraumkonzept soll zudem die gemeinsame Nutzung der Räume durch mehrere Gemeinschaften möglich machen. Auch künftig wird es dabei ausreichend Spielflächen für Kinder und Jugendliche geben.
  • Um die von vielen Gemeindemitgliedern geforderte Sichtbarkeit der neuen Kirche zu stärken und zugleich eine Beziehung der neuen zur alten Kirche herzustellen, hat der Kirchenvorstand in den Verhandlungen erreicht, dass die Johannes-Figur aus dem bisherigen Kirchenportal auch in den Neubau integriert werden kann. Zudem können wir in der neuen Kirche künstlerisch gestaltete Fenster einbauen. Ein entsprechendes Budget werden wir als Kirchenvorstand einplanen. Auch die Details zu diesen Projekten erarbeitet der künftige Gestaltungsausschuss.
  • Im Zuge des Krankenhausneubaus richtet die Contilia auf dem Karlsplatz/Johanniskirchplatz Anschlüsse für Strom und Wasser ein, damit wir dort auch in Zukunft unser Gemeindefest feiern können.
  • Klar vereinbart wurde mit der Contilia, dass die bisherige Kirche erst dann abgerissen werden darf, wenn für das neue Krankenhaus eine Baugenehmigung vorliegt oder wir dies ausdrücklich erlauben. Die Nutzung unserer Pfarrkirche und der angeschlossenen Gebäude endet übrigens nicht mit der Unterzeichnung des Vertrags: Dieser sieht vor, dass wir Kirche, Pfarrzentrum und Pfarrhaus längstens bis Mitte Januar 2021 nutzen können.

Unsere neue Kirche im künftigen Krankenhaus stellen Planer und Architekten in ersten – sehr schematischen – Zeichnungen so dar. Details klärt auch hier der Gestaltungsausschuss.

Illustration des neuen KirchenraumesDen Beitrag können Sie hier herunterladen:
Verhandlungsergebnis zum Kaufvertrag (12.05.2019)

Teilen

3 Kommentare

  1. Burkhard Soth am

    Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich noch einmal etwas zu diesem verfahrenen Thema beitragen soll oder nicht.
    Ich habe mir die Entwicklung und den Sachstand sehr genau angeschaut. Viele Texte gelesen und Inhalte verglichen.
    Viele werden denken, dass ich ggf. der Falsche bin, um mich hier einzumischen. Ich tue es trotzdem.
    Ich bin kein Gemeindemitglied und gehöre keiner Religion an, bin aber natürlich nicht neutral, sondern habe mir eine Meinung gebildet.
    Ich bin interessiert am sozialen Gefüge in meinem Stadtteil und auch an den städtebaulichen Strukturen, die „meinen“ Stadtteil ebenfalls ausmachen.
    Ich kenne viele tolle Menschen, die sowohl dem einen als auch dem anderen Lager in Sachen Abriss der Kirche St. Johann angehören. Keinem dieser Menschen kann, will und darf man unlautere Motive unterstellen! Insbesondere ich werde das nicht tun – wer bin ich, mich über all diese Menschen zu erheben?
    Aber ich weiß, wie große Firmen und Konzerne funktionieren – wie sie „ticken“. Das kann man regelmäßig in den Medien beobachten und die Mechanismen sind häufig identisch.
    Contilia ist nun einmal ein Wirtschaftsunternehmen, das dem wirtschaftlichen Erfolg für seine Eigentümer verpflichtet ist! Contilia ist nicht gemeinnützig, auch wenn dieser Eindruck immer wieder einmal erweckt wird. Contilia ist nun einmal eine GmbH – keine GGmbH! Es gibt nur sehr wenige, sehr kleine Untereinheiten, die gemeinnützig sind, die aber auch nicht geeignet sind, um Gewinne zu erwirtschaften.
    Contilia muss im Sinne des gewählten Geschäftsmodells so günstig wie möglich seine Investition tätigen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Der Prozess, so wie er abgelaufen ist, musste insofern zwingend so vonstattengehen. Contilia hat mit dem sehr speziellen Vorgehen einen Keil in die Gemeindelandschaft getrieben um zum Ziel zu kommen. Zwischen die Menschen, mitten durch Freundschaften und sogar mitten durch Familien! Natürlich war das nicht Ziel der Übung, wurde aber als Mittel zum Zweck in Kauf genommen.
    Die Gräben sind tief und die Verletzungen auf allen Seiten sind schlimm!
    Und nun liegt der Vertrag auf dem Tisch und damit zeigt sich die bittere Wahrheit:
    Der vorliegende Vertrag ist ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Menschen – insbesondere auch in das der Befürworter des Kirchenverkaufs.
    Hier wird dem Gemeindeverbund und damit allen Menschen der Gemeinden das Tafelsilber aus der Hand genommen. Der dafür versprochene Betrag von 1,1 Mio € wird sofort wieder einkassiert. Was bleibt den Gemeinden dann am Ende? Herzlich wenig! Die gebaute Vergangenheit aller wird abgerissen und es verbleibt quasi nichts im Eigentum der Gemeinde. Wachsweiche Zusagen über Nutzungsrechte für einen Kirchenraum, der kaum mehr als eine Aula ist, ergeben keine Basis für eine wie auch immer geartete Zukunft. Am Ende gehört Contilia alles, ohne dass ein nennenswerter Betrag dafür gezahlt worden wäre. Der Gemeinde gehört fast nichts mehr – anders als heute.
    Warum schreibe ich das alles auf? Warum nehme ich in Kauf, dass mir ggf. jemand meine Worte übelnimmt?
    Weil ich mir erhoffe, dass auf den letzten Metern alle gemeinsam das Kriegsbeil endlich begraben und dass vielleicht noch einmal Zeit gewonnen werden kann! Warum muss man diesen Vertrag unbedingt jetzt unterschreiben, obwohl er offenbar gegen die Interessen der Menschen (aller Menschen der Gemeinden) verstößt? Warum muss man sich dem Diktat einer Firma unterwerfen, die natürlich nur ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgt und nichts anderes? Es sollen offenbar Tatsachen geschaffen werden um den Prozess unumkehrbar zu machen.
    Sowohl die vorgebliche Alternativlosigkeit als auch der hausgemachte bis künstliche Zeitdruck ist durchschaubar. Die Allianz aus Investor und Bischof ist beunruhigend bis bizarr.
    Ich kann verstehen, dass niemand sein Gesicht verlieren will. Auch kann ich nachvollziehen, dass es für viele Leute ein Szenario mit dem Abriss der Kirche und einem guten Konzept geben kann. Aber ich kann das gute Konzept und die Zukunftsfähigkeit für die Menschen nicht sehen. Wenn schon Verkauf und Abriss, dann doch wenigstens als Gewinn für die Menschen. Aktuell sehe ich nur einen Gewinn auf einer Seite. Und das ist nicht die Seite der Menschen in den Gemeinden und im Stadtteil.
    Und mir persönlich würde die gute alte Kirche in meinem Stadtteil fehlen.
    Viele Grüße Burkhard Soth

  2. Andreas Bradel am

    Das Verhandlungsergebnis zwischen Kirchenvorstand und Contilia darf in vielen Bereichen durchaus als Farce angesehen werden.

    Die Rechnung zur Erhöhung des Verkaufswertes von 1,1 Millionen Euro auf 2,6 Millionen Euro sind Augenwischerei und Schönfärberei. Die Pfarrei erhält ja nicht 2,6 Millionen Euro, sondern die Raum- und Gebäudekosten sind von der Contilia, weil es sich um deren Eigentum handelt, selbst zu tragen. Die “Zur-Verfügung-Stellung” von Räumlichkeiten kann aber nicht zur Werterhöhung des Kaufpreises umgerechnet werden.

    In der Realität sieht es doch nun so aus, dass die Gemeinde auf einmal die 1,1 Millionen, die als Verkaufserlös seitens der Contilia fließen, in Inventar, Fenster etc. der neuen Kirchräumlichkeiten sowie in den Ausbau des Jugendheims reinvestieren muss, so dass sie sich im Endeffekt die Ausstattung der neuen Kirche sowie den Um- und Ausbau des Jugendheims selber finanziert. Die Contilia stellt lediglich Räumlichkeiten ihres Krankenhausneubaues zur Verfügung. Als ein weiterer Bestandteil des Verhandlungsergebnisses wird dann hervorgehoben, dass die Johannesfigur “mitgenommen” werden darf.

    Vor diesem Hintergrund stellt sich immer mehr die Frage, warum Kirche und Pfarrzentrum unbedingt abgerissen werden sollen. Dort ist doch schon alles (Kirchräumlichkeiten, Inventar, Fenster etc) vorhanden .

    Ließe man diese Kirche stehen (Alternativen zum Erhalt sind ja aufgezeigt worden), so hätte man die ganzen Geldwechselspielchen nicht nötig.

    Die Antwort liegt auf der Hand: der Contilia passt der Altbau der Kirche nicht ins Gesamtbild ihres schönen neuen Krankenhauses. Aus ihrer Sicht muss dieses Gebäude unbedingt dem Bagger zum Opfer fallen. Was absolut nicht zu verstehen ist, dass das Bistum dieses Spiel mitspielt. Wahrscheinlich ist dem Bischof aber so sehr daran gelegen, eine Kirche weniger finanzieren zu müssen, dass er froh ist, wenn er diese Kirche los ist.

    Und der Kirchenvorstand sowie das Pastoralteam erkennen dies nicht, und sind willfähriger Umsetzer der Absichten des Bistums.

    • Daniela Bierbrodt am

      Absolut treffend kommentiert. Würde man es bissiger formulieren, würde man an Ausdrücken wie Volks- bzw. Gemeindeverarschung nur unschwer vorbeikommen. Möchte man dem Bistum jedoch wohlwollend keine böse Absicht unterstellen, könnte beinahe Mitleid für dessen Unfähigkeit und Blindheit aufkommen.