Brief des Generalvikars Klaus Pfeffer an die Pfarrei St. Johann Baptist

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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder der Pfarrei St. Johann Baptist!

Der geplante Krankenhausneubau in Essen-Altenessen führt in Ihrer Pfarrei seit einigen Wochen zu heftigen Diskussionen, zu Streit und persönlichen Anfeindungen. Die hohe Emotionalität, die in Pfarrversammlungen, Pfarrei- und Gemeindegremien sowie in den Medien zum Ausdruck kommt, kann ich verstehen: Niemand hatte noch vor einigen Monaten damit gerechnet, dass es dazu kommen könnte, die Pfarrkirche St. Johann Baptist aufgeben zu müssen. Das Votum Ihres Pfarreientwicklungsprozesses hatte im vergangenen Jahr gerade erst den Erhalt der Kirche vorgesehen. Umso größer musste für viele von Ihnen die Verwunderung und das Erschrecken sein, als der Kirchenvorstand nur wenige Monate nach der Bestätigung Ihres Votums die Absicht bekundet hat, das Grundstück mit der Pfarrkirche zu verkaufen. Die Aufgabe einer Kirche ist immer äußerst schmerzhaft; dass die außergewöhnlichen Umstände in Ihrer Pfarrei nun besonders viel Unverständnis und auch Wut auslösen, kann ich gut nachvollziehen.

Weder der Kirchenvorstand, noch die Verantwortlichen im Bischöflichen Generalvikariat hatten während der Zeit der Verabschiedung und der Bestätigung des Votums damit gerechnet, dass es zu dem Plan eines Neubaus des Krankenhauses auf dem Gelände des Marienhospitals und der Pfarrkirche kommen würde. Nach intensivem Ringen ist aber die Einsicht gewachsen, dass es richtig ist, den Krankenhausneubau in der geplanten Weise zu unterstützen.

Trotz der schwierigen Umstände bin ich der Überzeugung, dass der Neubau eines Katholischen Krankenhauses ein großer Gewinn für den Essener Norden und für unsere Kirche ist. Die Pläne sehen eine hochmoderne Klinik vor, die mit Spitzenmedizin die Gesundheitsversorgung von mehr als 200.000 Menschen sicherstellen soll. Ganz bewusst übernimmt damit ein katholischer Träger Verantwortung für einen notwendigen Gesundheitsstandort im Norden unserer Stadt. Das ist keineswegs selbstverständlich und verlangt für den Träger erhebliche Anstrengungen. Es handelt sich dabei zudem um ein bundesweit beachtetes Leuchtturmprojekt, das für die Stadt Essen und das Ruhrgebiet von großer Bedeutung ist. Zugleich ist es ein außergewöhnliches Zeichen für unser christliches Engagement im Dienst am Menschen, das an diesem Standort schon eine über 130-jährige Tradition hat. Katholische Krankenhäuser sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kirche – und gerade in unserer Stadt Essen sind sie stark verwurzelt und hoch angesehen.

Von Anfang an sahen die Pläne für das neue Krankenhaus den Bau einer Kirche vor, die sowohl den Menschen in der Klinik als auch den Gläubigen in der Gemeinde St. Johann Baptist offen steht. Diese Kirche soll ein zentraler Ort in der neuen Klinik werden, weil dort die enge Verbindung zwischen gelebter Caritas und alltäglicher Seelsorge lebendig wird.

Diese Kirche wird von den Gremien der Pfarrei und dem Krankenhausträger gemeinsam gestaltet werden – und ich freue mich schon jetzt auf einen innovativen und zukunftssicheren Gottesdienst-Ort, der die Vielfalt der Kirchen im Essener Norden bereichern wird. Hier wird die Gemeinde ihre Gottesdienste feiern – und zugleich finden Patienten, Mitarbeiter und Besucher hier einen Ort, der Hoffnung, Trost und Zuversicht bietet.

Krankenhäuser sind Orte, an denen Menschen sich in Grenzsituationen ihres Lebens befinden. Die Sehnsucht nach Trost und Ermutigung, aber auch die großen Lebensfragen und nicht zuletzt die Suche nach Gott spielen hier eine bedeutende Rolle. Es ist darum gut und birgt viele Chancen und Möglichkeiten, wenn sich eine kirchliche Gemeinde eng mit einem Krankenhaus verbinden kann, wie es in Altenessen möglich sein wird.

In den vergangenen Wochen haben die ehrenamtlichen Mitglieder von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat gemeinsam mit ihrem Pfarradministrator, Herrn Dompropst Thomas Zander, sehr verantwortungsvoll geprüft, beraten und wertvolle eigene Vorschläge eingebracht. Dafür bin ich sehr dankbar! Umso besorgter stimmt es mich, wenn gewählte Vertreterinnen und Vertreter gemeindlicher und pfarrlicher Gremien auf Grund ihrer Haltung zum Neubauprojekt persönlich angegriffen werden. Bei einem Gespräch mit dem Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat habe ich im vergangenen Dezember die tiefe Betroffenheit über den heftigen und teilweise sehr verletzenden Stil der Auseinandersetzungen wahrgenommen. Wut, Trauer und Enttäuschung sind verständlich, aber sie dürfen doch nicht dazu führen, den Anspruch eines geschwisterlichen Miteinanders aus dem Blick zu verlieren. Bei allen notwendigen sachlichen Auseinandersetzungen fordere ich deshalb alle Beteiligten nachdrücklich dazu auf, respektvoll miteinander umzugehen.

Das Bistum Essen wird die Pfarrei St. Johann Baptist bei den anstehenden Entscheidungen in den kommenden Wochen weiterhin intensiv begleiten und unterstützen. Ausdrücklich danke ich allen, die sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten in dieser schwierigen Zeit auf vielfältige Weise engagieren und dabei viele Belastungen aushalten. Gerade angesichts dieser spannungsreichen Situation erbitte ich für uns alle Gottes begleitenden Segen, damit wir beieinander bleiben, die Herausforderungen der kommenden Zeit friedvoll bewältigen und einen guten Weg in die Zukunft gehen.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Pfeffer
Generalvikar


Den Brief von Generalvikar Klaus Pfeffer können Sie hier auch herunterladen:
Brief des Generalvikars Klaus Pfeffer vom 18.02.2019

 

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