Flüchtlingshilfe

Sprachkurse, Betreuung und jede Menge Engagement

Eine große Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge hat sich seit dem Sommer 2015 in unserer Pfarrei gezeigt. Obwohl das Haus in der Hülsenbruchstraße knapp außerhalb unseres Gebietes in der Pfarrei St. Dionysius von Borbeck liegt, waren unmittelbar nach dem Bezug viele unserer Gemeindemitglieder zur Hilfe bereit. Ob es um das Engagement bei der Sprachförderung, um handwerkliche Tätigkeiten bei der Ausgestaltung des Hauses oder die Versorgung der Flüchtlinge durch die Kleiderkammer ging, alles konnte von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern geleistet werden.

Zum Ende des Sommers 2015 erfolgte dann die Information, dass die Stadt Essen wegen des ungebrochenen Flüchtlingszustroms auf die Einrichtung von Zeltdörfern zurückgreifen musste und eines davon auf dem alten Sportplatz an der Erbslöhstraße, also auf unserem Pfarrgebiet, eingerichtet werden würde. Sofort bildete sich eine Gruppe „Flüchtlingshilfe“ als Sachausschuss des Gemeinderates St. Hedwig mit dem Ziel, bereits frühzeitig Überlegungen zur Unterstützung der Flüchtlinge anzustellen.

Als erste Aktion wurde in den Gottesdiensten um die Spende von Kuscheltieren gebeten. Eine Dame aus der Gemeinde hat diese gereinigt und hergerichtet. Weitere Hilfsangebote wurden laufend mit der Leitung des Dorfes abgesprochen. Eine ungezielte Sammlung war hier nicht sinnvoll, da die Lagerkapazitäten fehlten. Wir haben daher nur dann zu Sammlungen aufrufen, wenn ein konkreter und aktueller Bedarf vorlag. Die Gruppe Flüchtlingshilfe hat dazu in unseren Kirchen am Eingang Informationswände gestaltet, auf denen die benötigte Hilfe erbeten wurde.

Foto: Nicole Cronauge / Bistum Essen (pfarrbriefservice.de)

Mit der Hilfe war nicht ausschließlich nur materielle Hilfe gemeint. Noch viel wichtiger war es, den Flüchtlingen großzügig von unserer Zeit abzugeben zum Beispiel durch Unterstützung bei der Sprachförderung, Einrichten von Spielgruppen für Kinder, Betreuung eines Handarbeitskreises, Begleitung der Flüchtlinge bei Einkäufen oder Gängen zu den Ämtern, Einladungen zu einem Erzählcafé. Unserer Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt.

Mittlerweile ist das Flüchtlingsdorf in der Erbslöhstraße wieder abgebaut worden, alle Familien sind aus den Zelten in Wohnungen vermittelt worden. Die restlichen Personen, vor allem allein reisende junge Männer, wurden in andere Unterkünfte verlegt. Also alles erledigt, Problem gelöst?

Damit aus Gästen Nachbarn werden

Mit dem Bezug einer Wohnung ist die Integration der Flüchtlinge in unsere Gesellschaft noch nicht gelungen. Manche der Flüchtlinge haben sich zwar gefreut, aus der Enge und den unwürdigen Zuständen des Zeltdorfes hinauszukommen, aber manche haben auch die Sorge, wie es in einer eigenen Wohnung weitergehen kann, denn dort sind sie auf sich gestellt und haben keine Rundumbetreuung mehr. In unserem Stadtbezirk sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas noch ein Jahr lang als Ansprechpartner für die Menschen in den Wohnungen zuständig. Wenn man aber berücksichtigt, dass ein Caritas-Mitarbeiter für rund 50 Familien verantwortlich ist, kann man ermessen, wie wenig Zeit für die einzelne Familie verbleibt.

Die Flüchtlinge, die in unserer Nachbarschaft eine Wohnung gefunden haben, benötigen jetzt in besonderem Maße Unterstützung. Unterstützung bei ganz alltäglichen Dingen wie Einkaufen, Schulbesuch der Kinder, Mülltrennung, Erklären des Inhaltes von Briefen, die von Banken, Behörden, Stromanbietern usw. kommen. Auch wenn sich viele der Flüchtlinge inzwischen etwas in der deutschen Sprache verständigen können, sind sie doch oft nicht in der Lage, genau zu verstehen, was von ihnen verlangt wird.

Und wer kann da helfen? Jede und jeder kann helfen, indem eine Wohnungspatenschaft übernommen wird. Die Caritas vermittelt den Kontakt zu einer Flüchtlingsfamilie, die in der Nachbarschaft wohnt. Ein Wohnungspate ist Ansprechpartner für diese Familie und hilft bei den alltäglichen Problemen. Natürlich kann man jederzeit von dieser Aufgabe auch wieder zurücktreten, wenn man spürt, dass die Belastungen zu groß werden. Es können sich auch mehrere Personen zusammentun und sich um eine Familie kümmern. Dadurch teilt man sich die Aufgaben.

Wie werde ich Wohnungspate? Eine kurze Mitteilung an eines der Gemeindebüros oder an den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates reicht. Das Hilfeangebot wird an die Caritas weitergeleitet, die sich um den Kontakt kümmern wird. Eigentlich ganz einfach. Aber es gibt so viele Flüchtlinge. Klar, eine Person alleine kann nicht die Flüchtlingsproblematik in unserem Stadtteil lösen. Aber wenn sich viele um jeweils eine Familie kümmern, dann ist ein großer Schritt zur Integration der Flüchtlinge getan.

„Die Kirche ohne Grenzen und Mutter aller verbreitet in der Welt die Kultur der Aufnahme und der Solidarität, der zufolge niemand als unnütz, als fehl am Platze oder als Auszusondernder betrachtet wird. Wenn die christliche Gemeinschaft ihre Mutterschaft tatsächlich lebt, schenkt sie Nahrung, Orientierung, Wegweisung, geduldige Begleitung. Sie kommt den Menschen im Gebet wie in den Werken der Barmherzigkeit nahe.“

Papst Franziskus